Das Nibelungenlied und seine Welt
13.12.2003 - 14.3.2004
Die Handlung

 

Die erste von insgesamt rund 2.400 Strophen:

Uns ist in alten Mæren wunders vil geseit
von Helden lobebæren, von grôzer arebeit,
von freuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
von küener recken strîten muget ír nu wunder hœren sagen.

Die Übertragung von Helmut Brackert:

In alten Geschichten wird uns vieles Wunderbare berichtet:
von ruhmreichen Helden, von hartem Streit, von glücklichen Tagen
und Festen, von Schmerz und Klage, vom Kampf tapferer Recken:
Davon könnt auch Ihr jetzt Wunderbares berichten hören.

 

Schwertkampf, gegen 1200
Einzelblatt aus einem Speculum Virginium

Kestner-Museum Hannover


Schauplätze und Personen

Hof der Burgunden (später Nibelungen genannt) in Worms

Kriemhild: Königstocher, Schwester Gunthers, Gernots und Giselhers, später: Königin, verheiratet mit Siegfried und nach dessen Tod mit Etzel
Gunther, Gernot, Giselher Könige der Burgunden, Brüder Kriemhilds
Ute
Königin, Mutter Kriemhilds, Gunthers, Gernots und Giselhers
Hagen von Tronje
Gefolgsmann des Wormser Hofs
Volker von Alzey
Gefolgsmann des Wormser Hofs

Hof in Xanten

Siegfried

Königssohn, später König, verheiratet mit Kriemhild

Siegmund

König, Vater Siegfrieds

Hof der Hunnen (Etzelburg)

Etzel König der Hunnen, 2. Mann Kriemhilds
Rüdiger von Bechelaren Markgraf, Gefolgsmann Etzels
Dietrich von Bern König von Bern (=Verona), Gast am Hof der Hunnen
Hildebrand Waffenmeister Dietrichs von Bern

Handschrift A des Nibelungenlieds (Detail, Anfang)
Alpenländisch, Ende 13. Jh.
Bayerische Staatsbibliothek München

Inhalt

Am Hof in Worms herrschen die Brüder Gunther, Gernot und Giselher gemeinsam als Burgundenkönige. Der Xantener Königssohn Siegfried hört von der unbeschreiblichen Schönheit deren Schwester Kriemhild und beschließt, nach Worms aufzubrechen und um Kriemhild zu werben.

Erst als Siegfried für den Hof der Burgunden einen Krieg gegen die Sachsen erfolgreich besteht und er darüber hinaus dem Burgundenkönig Gunther zusagt, ihm bei seiner Brautfahrt zu helfen, verspricht Gunther, Siegfried seine Schwester Kriemhild zur Frau zu geben. Voraussetzung hierfür ist aber, dass Gunther die schöne isländische Königin Brünhild zur Frau gewinnt. Die übernatürlich starke Brünhild ist aber nur bereit, denjenigen zum Mann zu nehmen, der sie in einem Dreikampf auf Leben und Tod besiegt.

Der Kampf um Brünhilds Hand

In Island gibt sich Siegried wahrheitswidrig als Untergebener Gunthers aus. Auf Burg Isenstein gelingt Gunther es nur deshalb, Brünhild im Kampf zu bezwingen, weil Siegfried, der durch einen Tarnkappe für alle unsichtbar ist, ihm hilft.

 

Brünhilde, Darstellerin der Ring-Uraufführung 1876 (Ausschnitt)
Richard-Wagner-Museum, Bayreuth, Foto: Joseph Albert

 

Doppelhochzeit in Worms

Zurück in Worms finden die Feierlichkeiten der Doppelhochzeit zwischen Gunther und Brünhild sowie zwischen Siegfried und Kriemhild statt. Im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten kommt es zu zwei Vorfällen. Zum einen bricht Brünhild an der Festtafel in Tränen aus und beklagt sich bei Gunther über die aus ihrer Sicht nicht standesgemäße Hochzeit der Königstochter Kriemhild mit Siegfried, der ja nur ein Gefolgsmann Gunthers und somit kein ebenbürtiger Partner für Kriemhild sei. Zum anderen verweigert sich Brünhild Gunther in der Hochzeitsnacht. Gunther bittet daraufhin Siegfried, in der darauffolgenden Nacht mit seinem Tarnmantel in das Schlafzimmer Brünhilds zu schleichen und diese gefügig zu machen, ohne jedoch mit ihr zu schlafen.

Nur nach einem längeren Kampf und unter Aufbietung all seiner Kräfte gelingt es Siegfried, der von Brünhild für Gunther gehalten wird, die Widerstandskraft Brünhilds endgültig zu brechen. Gunther, der wieder an die Stelle Siegfrieds tritt, kann nun die Ehe vollziehen. Siegfried aber nimmt einen goldenen Ring sowie den seidenen Gürtel Brünhilds an sich.

König und Königin in Xanten

Nach Abschluss der Hochzeitsfeierlichkeiten in Worms begeben sich Siegfried und Kriemhild nach Xanten, wo sie als König und Königin herrschen. Auf Drängen Brünhilds, deren Zweifel an der lehnsrechtlichen Stellung zwischen Siegfried und Gunther nie nachgelassen haben, lädt Gunther Siegfried und Kriemhild sowie den alten König Siegmund zu einem Fest nach Worms ein.

Der Königinnenstreit

Bei den Festlichkeiten in Worms kommt es zu einem erbitterten Streit zwischen Brünhild und Kriemhild darüber, welcher der beiden Ehemänner rangmäßig die höhere Stellung einnimmt. Der Streit eskaliert schließlich vor dem Wormser Dom, als es darum geht, wer von den beiden Königinnen als ranghöhere Herrscherin zuerst den Dom betreten darf. Dabei schleudert Kriemhild Brünhild entgegen, dass Siegfried ihr die Jungfräulichkeit genommen habe und Brünhild somit die Geliebte eines Lehnsmanns gewesen sei. Brünhild verlangt von Kriemhild Beweise für diese Aussage und bekommt den Ring und den Gürtel präsentiert, die Siegfried Brünhild in jener Nacht abgenommen und später Kriemhild geschenkt hatte.

Diese Demütigung Brünhilds führt schließlich zum Plan der Ermordung Siegfrieds, der insbesondere von Hagen betrieben wird, der seiner Königin Rache für die durch Kriemhild erfahrene Beleidigung und Erniedrigung verspricht.

 

Streit der Königinnen
Illustration von Carl Otto Czeschka
in "Die Nibelungen - Dem deutschen Volke wiedererzählt", 1908
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe

 

Die Ermordung Siegfrieds

Mit Billigung Gunthers wird der Mordplan umgesetzt. Geäuscht durch Hagen markiert Kriemhild durch ein auf die Kleidung genähtes Kreuz die einzige Stelle, an der Siegfried tödlich verwundbar ist. Auf diese Stelle war dem jungen Siegfried beim Bad im Drachenblut ein Lindenblatt auf die Schulter gefallen.

Während eines vorgetäuschten Jagdausflugs wird Siegfried an einer Quelle, über die er sich zum Trinken beugt, von Hagen mit einem Speer an der von Kriemhild gekennzeichneten Stelle erstochen.

Der Hort der Nibelungen

Nach dem Tod Siegfrieds reist sein Vater Siegmund nach Xanten zurück, die untröstliche und auf Rache sinnende Kriemhild aber bleibt in Worms. Auf Betreiben Hagens wird Kriemhild später gezwungen, den unermesslich großen Schatz, den Siegfried einst erbeutet und Kriemhild geschenkt hatte, nach Worms zu holen. Da Hagen aber die Macht fürchtet, die Kriemhild durch diesen Schatz dauerhaft hätte erwerben können, bringt er den Hort der Nibelungen an sich und versenkt ihn im Rhein.

Hortversenkung
Illustration von Joseph Sattlerin "Das Nibelungenlied", 1927
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe

 

Der Hunnenkönig Etzel

Nach langen Jahren größter Trauer willigt Kriemhild in die Hochzeit mit Etzel, dem König der Hunnen, ein. Sie erhofft sich dadurch, mit Etzels Hilfe die Ermodung Siegfrieds rächen zu können.

Im ungarischen Gran lebt das Herrscherpaar Kriemhield und Etzel zwölf Jahre in Eintracht zusammen, wobei im siebten Jahr der einzige Sohn Ortlieb geboren wird. Da Kriemhild den Tod Siegfrieds und das ihr - insbesondere von Hagen - zugefügte Leid nie verwinden konnte, bittet sie Etzel, er möge ihre Verwandten aus Worms nach Gran zu einem großen Fest einladen.

Gegen den Rat Hagens, der vor der Reise in das Land der Hunnen warnt, entschließt man sich in Worms, die von Etzel in guter Absicht ausgesprochene Einladung anzunehmen. Man greift jedoch den Vorschlag Hagens auf, sehr gut bewaffnet und mit großem Gefolge nach Gran aufzubrechen.

 

Ritteraquamanile, Hildesheim, 2. Hälfte 13. Jh. (Ausschnitt)
© University Museum of Cultural Heritage
University Oslo, Norwegen; Foto: Eirik Irgens Johnse
n

 

Hagen von Tronje

Auf dem Zug von Worms zur Etzelburg spielen nicht länger die drei brugundischen Könige Gunther, Gernot und Giselher die entscheidende Rolle, sondern deren Gefolgsmann Hagen. Ihm fällt immer wieder die Aufgabe zu, die Nibelungen sicher nach Gran zu führen. Zwei Meerfrauen weissagen ihm am Donauübergang den Untergang der Nibelungen und sagen voraus, dass dies für alle eine Reise ohne Wiederkehr sein würde.

Noch vor den Toren der Etzelburg warnt Dietrich von Bern, der als Gast am Hof der Hunnen Etzel verbunden ist, den ihm bekannten Hagen und die Nibelungen eindringlich vor der Rache Kriemhilds. Am Ende des langen Wegs von Worms nach Gran halten die Nibelungen dennoch prunkvoll Einzug in die Etzelburg. Die Stimmung Kriemhilds und ihrer engeren Umgebung ist dabei gegenüber den Nibelungen, insbesondere gegenüber Hagen, dem Kriemhild sofort die Frage nach dem Verbleib des Hortes der Nibelungen gestellt hat, von Anfang an feindselig.

Während eines großen Festmahls werden alle Knappen der Nibelungen, die getrennt von ihren Herren untergebracht sind, auf Veranlassung Kriemhilds von den Hunnen überfallen und getötet. Als Hagen im großen Festsaal davon erfährt, erschlägt er vor aller Augen Kriemhields und Etzels Sohn Ortlieb.

Der Untergang der Nibelungen

Damit beginnt der große Saalkampf,ein langandauerndes und grauenhaftes Gemetzel, in dessen Verlauf zahlreiche Hunnen, alle Gefolgsleute Rüdigers von Bechelaren und auch Rüdiger selbst sowie alle Gefolgsleute Dietrichs von Bern fallen. Von den Nibelungen überleben zunächst nur Gunther und Hagen, die von Dietrich von Bern überwältigt und Kriemhild übergeben werden. Dabei fordert Dietrich von Bern von Kriemhild, dass sie das Leben der beiden Gefangenen schont, was diese auch zusagt.

 

Die letzte Schlacht der Nibelungen
Illustration von Carl Otto Czeschenka
in "Die Nibelungen - Dem deutschen Volke wiedererzählt", 1908
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe

 

Kriemhild verlangt von dem gefesslten Hagen den Hort der Nibelungen zurück. Hagen erklärt ihr, dass er einen Eid geschworen habe, nichts über den Verbleib des Hortes zu sagen, solange einer seiner Herren noch lebe. Daraufhin lässt Kriemhild ihrem eigenen Bruder Gunther den Kopf abschlagen und präsentiert ihn Hagen. Als dieser sich weiterhin weigert, den Aufenthaltesort des Schatzes zu nennen, haut Kriemhild Hagen mit dem Schwert Siegfrieds, das Hagen nach dessen Ermordung an sich genommen hatte und mit dem er bis zuletzt gegen die Hunnen gekämpft hatte, den Kopf ab.

Hildebrand, der Waffenmeister Dietrichs, erschlägt Kriemhild daraufhin. Damit hat sich die Weissagung vom Untergang der Nibelungen erfüllt.

 


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