Einmalig ist die überaus große Anzahl an kostbarsten und
einzigartigen Originalhandschriften in der Ausstellung. Sie werden
sonst in Tresoren in verschiedenen Ländern und ohne Zugang für
die Öffentlichkeit aufbewahrt. In Karlsruhe sind sie erstmals
gemeinsam zu bewundern.

Initiale der Handschrift C |
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Höhepunkt der Ausstellung sind die drei überaus kostbaren
Haupthand-schriften des ,Nibelungenliedes', die Handschrift
A aus der Bayerischen Staatsbibliothek München, die Handschrift
B aus der Stiftsbibliothek St. Gallen und die Handschrift
C aus der Badischen Landesbibliothek, die hier erstmals -
und wahrscheinlich auch letztmals - gemeinsam zu sehen sind.
Das ,Nibelungenlied' ist in mehr als 35 Handschriften und
Handschriften-fragmenten aus dem 13. Jahrhundert bis zum Anfang
des 16. Jahrhunderts überliefert. Inhaltlich beruht es jedoch
auf einer älteren mündlichen Tradition. Um 1200 wurde es erstmals
schriftlich festgehalten, dieses Manuskript ist jedoch nicht
erhalten. Die Sprache der Dichtung ist mittelhochdeutsch,
der Verfasser des, Nibelungenlieds' ist unbekannt. Alle wichtigen
Hanschriften des ,Nibelungenlieds' sind im oberösterreichischen
Raum entstanden.
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Die verhältnismäßig große Zahl der Handschriften zum ,Nibelungenlied'
bezeugt, dass sich dieses Epos in der Zeit um 1200 und in
den nachfolgenden Jahrhunderten einer großen Beliebtheit erfreute.
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| Die Handschrift C
Die Handschrift
C gilt als die älteste der drei berühmten drei Niederschriften
des ,Nibelungenlieds' und wird ins 13. Jahrhundert datiert.
Ein einziger Schreiber fertigte diese Handschrift
durchgehend in immer gleichbleibender repräsentativer Schrift
auf hohem kalligraphischem Niveau und mit äußerster Sorgfalt
an. Im Mittelalter wurde diese Textfassung des Nibelungenepos'
bevorzugt.
Im Jahr 2001 wurde die Handschrift
C vom Land Baden-Württemberg mit Mitteln der Landesbank Baden-Württemberg,
der Kulturstiftung der Länder und weiteren Geldgebern vom
Hause Fürstenberg in Donaueschingen erworben und wird seither
in der Badischen
Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt.
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Handschrift A
(Bayerische Staatsbibliothek München) |
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Handschrift C,
zweites Viertel 13. Jh
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe |
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Handschrift
B
(Stiftsbibliothek St. Gallen) |
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Die
Überlieferung des ,Nibelungenlieds'
Die bereits als Sensation geltende gemeinsame
Darbietung der drei vollständigen Nibelungenlied-Handschriften
des 13. Jahrhunderts, die aus konservatorischen Gründen
normalerweise nicht ausgestellt werden, wird ergänzt durch
zahlreiche weitere Kostbarkeiten der Nibelungen-Überlieferung.
Wertvolle Handschriften und Sammelhandschriften
aus diversen in- und ausländischen Bibliotheken verdeutlichen
die lange Tradition des Nibelungenstoffes und zeigen u.
a., wie man sich Siegfrieds Tod im 15. Jahrhundert vorstellte.
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Handschrift D,
erstes Drittel 14. Jh.
Bayerische Staatsbibliothek München |
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Das ,Nibelungenlied' ist an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert
von einem unbekannten Autor erstmals auf Pergament festgehalten
worden. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Originaldichtung,
sondern um die Bearbeitung eines Erzählkomplexes, der
damals bereits mehrere Jahrhunderte alt war und bis zu seiner
Niederschrift ausschließlich mündlich überliefert
worden war.
Die heute noch erhaltenen Handschriften weichen in der
Textgestalt häufig voneinander ab. So unterscheiden sie
sich unter anderem in der Zahl der Strophen, im Wortlaut,
in Sprache und Schriftform des Textes.
Das ,Nibelungenlied' vereinigt zwei große Sagenkreise,
denen geschichtliche Ereignisse aus der Zeit der Völkerwanderung
zugrunde liegen. Der historische Kern des Untergangs der
Nibelungen besteht in der Niederlage des Burgundenkönigs
Gundahari im Jahr 435/6 gegen weströmische und anschließend
gegen hunnische Truppen. Für die märchenhaften
Drachen- und Hortabenteuer Siegfrieds ist wohl keine historische
Quelle zu finden. Der historische Kern der Brünhildhandlung
ist bis zur Unkenntlichkeit aufgelöst.
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Sensationalle Endeckung im Jahr
2003
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Auch jüngste Funde, die Aufsehen erregten, kommen nicht
zu kurz. So werden erstmals die Überreste einer ,Nibelungenlied'-Handschrift
vorgestellt, die Mitte Juni 2003 im Mainzer Gutenbergmuseum
gefunden wurden.
Im hölzernen
Einband einer Inkunabel, einem der frühesten gedruckten Bücher,
wurden Leimab-drücke, so genannte "Abklatsche",
von zwei Perga-mentdoppelblättern entdeckt, bei denen
es sich zweifelsfrei um weitere Blätter der Nibelungen-Handschrift
L handelte. Die Originale sind verschollen. Der an dem Einband
klebende spiegel-verkehrte Abdruck des Textes kann mit Hilfe
eines Spiegels gelesen werden.
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Mainzer
Fragment L3, ("Abklatsch")
(spiegelverkehrt wiedergegeben)
Gutenberg-Museum,
Mainz |
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Weitere kostbare, nur selten gezeigte Handschriften sollen
zum Verständnis des Textes
beitragen sowie Einblicke in die mittelhochdeutsche Literatur
gewähren. Gleichzeitig machen diese Schriften das literarische
Leben an adligen Höfen um 1200 erfahrbar.
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Höfische Literatur des Mittelalters
Die herausragenden
Vertreter der deutschsprachigen höfischen Literatur um 1200
sind Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Heinrich von Veldeke
und Gottfried von Straßburg. Für die Lyrik ist besonders Walther
von der Vogelweide hervorzuheben.
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Landgrafenpsalter
mit Bild Hermanns von Thüringen, um 1210
Württembergische Landesbibliothek Stuttgart
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Weingartener
Liederhandschrift B
Konstanz (?), Anf. 14. Jh.
Württembergische Landesbibliothek Stuttgart
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Ausführliche Informationen über mittelalterliche
Handschriften bieten die
"Marburger Repertorien".
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