Neben der Präsentation der Handschriften vermittelt die Ausstellung
dem Besucher Eindrücke aus der Zeit um 1200, der Entstehungszeit
des ,Nibelungenlieds'.
Die Erzählung, die am Wormser Hof der Könige Gunther, Gernot
und Giselher und ihrer Schwester Kriemhild einsetzt ist eine zeitlose
Geschichte, aus der nur einzelne Namen an geschichtliche Persönlichkeiten
erinnern. So König Etzels, der Hunnenkönig Attila, den der
römische Feldherr Aetius in der Schlacht auf den Katalaunischen
Feldern (August 451) entscheidend besiegte und damit sein Ende einleitete.
Attila war entlang der Donau bis zum Rhein, nach Gallien und Oberitalien
vorgedrungen. Er bedrohte Rom, und an der ihm entgegentretenden Koalition
aus römischen und germanischen Völkergruppen waren auch
Westgoten, Burgunder und Franken beteiligt. Nicht nur die Geschichtsschreiber,
sondern auch viele Gedichte und Epen haben diese Ereignisse festgehalten,
Dichter haben es zum Heldenlied geformt. Dies sind die alten Mären,
von denen hier die Rede ist.
Die wichtigsten Orte des Heldenepos schreiten die Besucher ab und
folgen damit der
Chronologie des Epos.
So dienen Worms, Xanten, Passau, Wien oder Gran (Esztergom) als
Stationspunkte.
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Worms
Foto: Stadtarchiv Worms |
Xanten
Foto: Foto Marburg |
Wien
Foto: Foto Marburg |
Esztergom
Foto: Judit Majorossy |
Das ,Nibelungenlied' ist an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert
von einem unbekannten Autor zu Pergament gebracht worden, wahrscheinlich
von einem Kleriker, der im Auftrag Bischof Wolfgers von Passau (1191-1204)
tätig war.
Stets hat man darauf geachtet, was denn aus seiner eigenen Zeit,
seinem Wissen und Erleben in das Lied einging, das damals an den
fürstlichen Höfen vorgetragen wurde und ein aufmerksames
Publikum fand. Dass er Burg und Pfalz, dass er Waffen und Gewänder
so schilderte, wie er sie vor Augen hatte, also im Kolorit des 12.
Jahrhunderts, daran ist nicht zu zweifeln.
So liefert das ,Nibelungenlied' selbst die Themenbereiche der Ausstellung,
z.B.:
| Das Rittertum |
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| Strophe C 204: |
Originaltext: |
Als die Burgunden in
das Kampfgeschehen eingriffen,
wurden von ihnen viele klaffende Wunden geschlagen.
Da sah man über die Sättel das Blut fließen.
Auf diese Weise rangen die kühnen und vortrefflichen Ritter
um ihr Ansehen.
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Dô die von Burgonden
drungen in den strît,
von in wart erhouwen vil manic wunde wît.
dô sach man über setele vliezen daz bluot.
sus wurben nâch den êren die riter küen unde
guot. |
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Ritteraquamanile,
Hildesheim, 2. Hälfte 13. Jh.
© University Museum of Cultural Heritage
University Oslo, Norwegen;
Foto: Eirik Irgens Johnsen |
Topfhelm,
13. Jh.
Museum der Grafschaft Mark
auf Burg Altena, Foto: J. Nober |
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| Drachen |
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| Strophe C 100 (über Siegfried): |
Originaltext: |
Übrigens weiß
ich noch mehr von ihm,
was mir zu Ohren gekommen ist.
Einen Drachen hat der Held
mit eigener Hand erschlagen.
Er badete sich in dem Blute,
und daraufhin hat er eine Hornhaut bekommen.
Er hat eine so feste Haut,
dass keine Waffe ihn verletzen kann.
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Noch weiz
ich an im mêre, daz mir ist bekant:
einen lintrachen den sluoc des heledes hant.
Dô badet er in dem bluote; des ist der helt gemeit.
Von alsô vester hiute, daz in nie wâfen sît
versneit.
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Drachenaquamanile
12. Jh., Lothringen
Württembergisches Landesmuseum Stuttgart
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Missale
Schuttern
Initiale "S", 15. Jh
Badische Landesbibliothek Karlsruhe
Foto: Beate Ehlig |
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| Das Festwesen |
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| Sieben große höfische
Feste werden im ,Nibelungenlied' geschildert, z. B. die Schwertleite
Siegfrieds, das Siegesfest nach dem Sachsenkrieg, das Gelage
am Hof der Burgunden und mehrere Hochzeiten. Die Beschreibungen
überliefern stets wiederkehrende Abläufe: Zunächst
wurden die Einladungen übermittelt, dann begannen die Vorbereitungen
für das Fest. Der Ankunft der Gäste folgte deren feierlicher
Empfang, die festliche Bewirtung, die Unterhaltung und schließlich
das Beschenken der Gäste zum Abschied. |
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Hirschaquamanile
und Wasserschale
1. H. 13. Jh.
Badisches Landesmuseum Karlsruhe |
Trinkbecher
mit Fadenauflage
13. Jh.
Mainfränkisches Museum Würzburg
Foto: Elmar Hahn |
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| Die
Kirche |
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| Strophe C 1052, 1f |
Originaltext: |
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Als sie ihn zum Münster brachten,
läuteten viele Glocken;
man hörte überall den Gesang der Geistlichen.
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Dô
man in zem münster brâhte, vil der glocken klanc.
man hôrte von den pfaffen vil michel gesanc. |
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Siebenbrüderkelch,um
1220
St. Alexander und Theodor, Ottobeuren
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Weihrauchfass
, Anfang 13.Jh., Schwaben
Württembergisches Landesmuseum Stuttgart
Foto: Hendrik Zwietasch |
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| Die Bestattung |
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| Alle erhaltenen Handschriften zum
Nibelungenlied' stimmen darin überein, dass Siegfried
in Worms seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Allerdings
ist in drei Handschriften darüber hinaus noch von einer
weiteren "allerletzten" Ruhestätte Siegfrieds
die Rede. Diese Handschriften weisen am Ende der 19. Aventiure
insgesamt acht Zusatzstrophen (C 1158 - 1165) auf, die das rechtsrheinisch,
unweit von Worms gelegene Kloster Lorsch (Hessen) betreffen.
Nach Ausweis der Strophe C 1164,3f. soll Siegfried demnach letztlich
"ze Lôrse bî dem münster" bestattet
sein, wo er angeblich "in eime langen sarke" liegt. |
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sog.
"Siegfriedsarg"
Buntsandstein, 2. V. 12. Jh.
Lorsch, Museumszentrum |
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| Die Jagd |
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| Strophe C 919 |
Originaltext: |
Da wir jetzt keinen
Krieg mehr führen müssen,
will ich von Worms über den Rhein
zum Jagen reiten
und will Jagdvergnügen im Odenwald haben,
jagen mit den Hunden,
wie ich es schon sehr oft getan habe
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Nu wir
der hereverte ledic worden sîn,
sô will ich jagen rîten
von Wormez über den Rîn,
und will kurzewîle zem Otenwalde hân,
jagen mit den hunden,
als ich vil dicke hân getân.
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Olifant
(Jagdhorn)
11. Jh, Süditalien
Kestner-Museum Hannover
Foto M.Linder |
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| Die Musik |
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| Strophe C 1879: |
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Originaltext: |
Seine Körperkraft
und seine musikalische Bildung
waren beide groß.
Er begann lieblicher und leiser zu spielen.
Da brachte er viele besorgte Männer
in ihren Betten sanft zum Einschlafen.
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Sîn ellen zuo
der fuoge, diu beide wâren grôz.
senfter unde süezer videln er began:
dô enswebter an dem bette vil manigen sorgenden man. |
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Psalter
Pergament, um 1250
Badische Landesbibliothek Karlsruhe |
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Fiedel
Nachbau nach einer Bibelillustartion aus dem 12. Jh
Privatbesitz |
(Zitate aus dem Katalog zur Ausstellung.)
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