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Das neue Museumskonzept

„Museumsbesucher zu Nutzern machen!“ ...

 

... so die revolutionäre Grundidee, nach der das Badische Landesmuseum zu einem Ort werden soll, an dem kulturelle Identität vermittelt und aktuelle Fragen der Gegenwart verhandelt werden. Erstmals soll es in einem großen, kulturgeschichtlichen Museum dann wie in einer Bibliothek oder einem Archiv möglich sein, Zugang zu allen realen Sammlungsobjekten zu erhalten.


Wie wird dieses Museum der Zukunft aussehen?
Die Sammlungsausstellungen des Badischen Landesmuseums setzen sich künftig aus drei Bereichen zusammen. Eine dauerhaft installierte Schausammlung stellt ein Thema inhaltlich geschlossen dar und rückt Highlights in den Mittelpunkt. Auf einer zweiten Fläche entstehen Sammlungspräsentationen mit einer kürzeren Laufzeit von vier Jahren, die einen Bezug zur Gegenwart herstellen und aktuelle Fragestellungen aufgreifen. Im dritten Bereich jeder Abteilung schließt sich eine Expothek an. Dieses neue und einzigartige Format soll es ermöglichen, aktive Nutzerinnen und Nutzer des Museums zu werden und Objekte unmittelbar zu erleben. Die Grundeinrichtung entspricht einem Schaudepot, in dem eine Vielzahl von Objekten in einem „Archiv der Dinge“ sichtbar aufbewahrt und zugänglich gemacht werden. Dazu kommen Präsentationstische, an denen Originale vorgelegt werden und Arbeitsplätze für die Forschung. So können z. B. Gastkuratoren, Schulklassen, universitäre Seminare oder Künstler mit den Beständen arbeiten und auf dieser Grundlage vielfältige Projekte realisieren bis hin zu Präsentationen, die wiederum im Museum gezeigt werden.

Digitale Strategie
In der Regel können Museen lediglich einen Bruchteil ihrer Sammlungen ausstellen – so stehen im Badischen Landesmuseum den 13.000 Exponaten der Schausammlung 450.000 Objekte in den Depots gegenüber. Bereits jetzt gibt es zahlreiche digitale Datensätze zu den eigenen Sammlungen. Mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und gemeinsam mit dem Bibliotheksservicezentrum entwickelt das Badische Landesmuseum eine digitale Strategie, die es zukünftig ermöglichen wird, die vorhandenen Datensätze öffentlich zugänglich zu machen. Auf diese Weise richten sich die Angebote künftig auch an die Nutzer der digitalen Welt.

Mehr Raum für Sonderausstellungen
Auch in Zukunft bleiben wechselnde Sonderausstellungen einer der Hauptanziehungspunkte des Badischen Landesmuseums. Durch die Vergrößerung der  Ausstellungsfläche von 900 auf 1.500 qm, erstreckt sie sich dann über zwei Ebenen, so dass ein echter Rundgang möglich wird.

Ein offenes Haus
Als Mittelpunkt von Karlsruhe soll das Schloss in größerem Maße als bisher frei und offen zugänglich sein und dem Einzelnen individuelle Zugänge in alle Bereiche der Sammlung ermöglichen. Der Durchgang durch das Erdgeschoss verbindet Stadt und Schlosspark. Auch der zentrale Saal im ersten Obergeschoss mit dem großen Schaubalkon zum Schlossplatz soll geöffnet werden. Außerdem werden die  Bürgerinnen und Bürger durch ein offenes, zugängliches Depot an ihrem kulturellen Erbe tatsächlich partizipieren.

Kindermuseum
Kinder und Familien werden weiter eine wichtige Zielgruppe für die Museumsarbeit bleiben. Neben den interaktiven Angeboten in den Expotheken soll ein eigenes Kindermuseum entstehen.

Schon jetzt beginnt das Badische Landesmuseum, wie in einem Labor, seine Ideen zu testen und schrittweise zu verwirklichen. In der Ur- und Frühgeschichte wird das Konzept der „Expothek“ bereits im kommenden Jahr realisiert. So kann man sich 2017 einen Faustkeil oder weitere Exponate auf „Bestellung“ vorlegen lassen.

Anlass für die Neukonzeption ist der bauliche Zustand der Karlsruher Schlosses, der eine Generalsanierung notwendig macht. Diese unumgänglichen Maßnahmen müssen nun in Abstimmung mit der Landesregierung geplant und vor allem finanziert werden; der Zeitplan hierfür ist noch offen. 2019 wird das Badische Landesmuseum 100 Jahre jung – wir hoffen, dass die Sanierung nach diesem Festjahr beginnen kann.


 





Prof. Dr. Eckart Köhne
Foto: Badisches Landesmuseum, Uli Deck


„Eigentümer der Sammlungen des Badischen Landesmuseums sind die Bürgerinnen und Bürger des Landes. Deswegen ist es nur konsequent, ihnen den Zugang zu ihrem eigenen kulturellen Erbe zu öffnen. Jedes Objekt ist erreichbar. An die Stelle der Eintrittskarte tritt ein Nutzerausweis.“

Prof. Dr. Eckart Köhne, Direktor