Logo Badisches Landesmuseum
 

Grablegung Christi

Provenienzforschung im BLM

Das oberrheinische Relief mit der Grablegung Christi befand sich einst in der umfangreichen und bedeutenden Kunstsammlung des Frankfurter Unternehmers Harry Fuld senior (geboren 1879 in Frankfurt/Main, gestorben 1932 in Zürich). Fuld war drei Mal verheiratet und hatte zwei Söhne, Harry Sally Fuld (1911-1963) und Peter Harry Fuld (1921-1962). Der Kunstbesitz und die wertvollen Wohnungseinrichtungen verteilten sich so auf mehrere Erben. Die Grablegung kam in den Besitz von Harry Sally Fuld junior.

Aufgrund seines jüdischen Glaubens von den Nationalsozialisten verfolgt - das erfolgreiche Unternehmen „Deutsche Privat Telephon Gesellschaft H. Fuld & Co.“ (Telefonherstellung und Vertrieb) wurde arisiert  - musste Harry Fuld junior 1936 Deutschland verlassen; seinen Besitz lagerte er bei einer Spedition ein. Dort wurden die Gegenstände jedoch beschlagnahmt und vom 27. bis zum 29. Januar 1943 durch das Auktionshaus H.W. Lange in Berlin versteigert. Der Auktionskatalog führte die Grablegung unter der Nr. 313 auf. Die „Generalverwaltung der Oberrheinischen Museen“ ersteigerte das Relief für
8050 Reichsmark für das im Aufbau befindliche Museum in Straßburg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beantragte Harry Fuld jun., der mittlerweile in London lebte, ein sogenanntes Wiedergutmachungsverfahren, um seinen rechtmäßigem Besitz wieder zu erlangen. Es gelang ihm schließlich am 23. September 1954, Teile der Sammlung, darunter auch die Grablegung, zurückzuerhalten. Zu einem bislang unbekannten Zeitpunkt trennte sich Fuld junior wieder von dem Relief. Spätestens nach seinem Tod im Jahre 1963 gelangte das Werk in den Kunsthandel. Am 20. Dezember 1965 wurde es vom Badischen Landesmuseum erworben. 






Grablegung Christi. Wandgruppe aus Kalkstein mit Resten alter Fassung, um 1530/1540 (Inv.-Nr. 65/102). Foto: BLM

Ansprechpartner


Dr. Katharina Siefert
Referat Dokumentation
Tel. 0721-926-6546