Zunftzeichen der Schreiner

Das Zunftzeichen der Schreiner aus dem Eigentum Siegfried Lämmles 
Das Badische Landesmuseum erwarb das Zunftzeichen im Juni 1942 auf der Auktion der Kunsthandlung Gebrüder Albrecht in Baden-Baden. Laut Inventarbucheintrag des Museums stammte es aus dem Warenbestand der Kunsthandlung Mathias Göhringer, Freiburg i. Br. Die Provenienzrecherche ergab, dass das Zunftschild beim  Auktionshaus Adolf Weinmüller, München, im Dezember 1937 und im Juni 1938 angeboten, aber nicht verkauft wurde. Der Einlieferer und Eigentümer erwies sich nach Dechiffrierung des Namenskürzels im Katalog als der Münchner Kunsthändler Siegfried Lämmle.

Die Auflösung der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München
Aufgrund seines jüdischen Glaubens war Siegfried Lämmle (geb. 1863, Laupheim, gest. 1953, Los Angeles) seit dem Erlass des Präsidenten der Reichskammer der Bildenden Künste vom 28.8.1935 die Berufsausübung als Kunsthändler verboten. So war er gezwungen, die Kunsthandlung im Juni 1937 aufzugeben und seine Waren zu niedrigen Preisen beim Auktionshaus Weinmüller anzubieten. Um der Verfolgung durch das NS-Regime zu entgehen, emigrierte die Familie Lämmle im September 1938 in die USA nach Los Angeles, wo schon der Bruder Carl Laemmle, der Gründer der Universal Studios, lebte.

Zu einem unbekannten Zeitpunkt kaufte Mathias Göhringer, Kunsthändler in Freiburg i. Br. und Sachverständiger des Reichspropagandaministeriums für Kunstgut für das Land Baden, das Zunftzeichen. Göhringer starb im Oktober 1941 durch Freitod. Sein Warenbestand wurde im Juni 1942 durch die Firma Gebrüder Albrecht, Baden-Baden/Freiburg versteigert. Dort erwarb das Badische Landesmuseum das Zunftzeichen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges
Im Oktober 1945 übergab das Museum der Alliierten Militärregierung in Karlsruhe eine „Liste der ob ihrer Herkunft zweifelhaften Ankäufe in den Jahren 1938-1945". Vermutlich wusste man im Museum, dass Siegfried Lämmle als Verfolgter des NS-Regimes zum Verkauf seines Warenbestandes gezwungen wurde. Durch proaktive Provenienzrecherche konnten diese Zusammenhänge erstmals belegt werden.

2019: Restitution und rechtmäßige Erwerbung
Die Nachfahren Siegfried Lämmles haben als rechtmäßige Eigentümer entschieden, nach der Rückgabe das Zunftschild an das Badische Landesmuseum zu veräußern, so dass es in Museumsbesitz verbleiben kann.






Zunftzeichen der Schreiner, Inv.Nr. P 1443; Die Intarsien zeigen die Werkzeuge der Schreiner: Zirkel, Hobel und Streichmaß © Badisches Landesmuseum, Foto: Gaul


Unterseite mit Intarsien aus Nussbaum-Maserholz © Badisches Landesmuseum, Foto: Gaul

Das Objekt in der Ausstellung

Das Zunftzeichen der Schreiner ist in unserer Sammlungsausstellung "Baden und Europa" im 2. OG des Karlsruher Schlosses zu finden.