Keramikmuseum Staufen - Magische Kristalle

 

Die Kristallglasur gilt als der Olymp der keramischen Glasuren. Der Herstellungsprozess ist extrem komplex, so dass nur wenige Keramiker die Kristallbildung beherrschen. Notwendig dafür sind eine perfekt eingerichtete Werkstatt, ein ausgeprägtes methodisches Vorgehen in chemischer und physikalischer Hinsicht sowie eine Präzision im Arbeitsstil. Nur eine kleine Abweichung von der Rezeptur führt dazu, dass die Bildung der Kristalle verhindert wird.


Der andere Grund für die Wertschätzung der Kristallglasur liegt in ihrem faszinierenden Farbenspiel und der frappierenden Ausstrahlung einzelner Kristalle, die in ihrer Erscheinung sehr unterschiedlich sein können. So können Kristalle wie Sterne, Blumen, eisblumenartige Gebilde, Schneeflocken, nadelige oder radialstrahlige Aggregate, Würmer, Vulkanausbrüche oder wie aus Feuerwerken bestehende Galaxien aussehen. Manchmal sind die Kristalle wie ein Teppich miteinander verschmolzen, manchmal nur einzeln hier und da verteilt – wie Reste einer bereits erfolgten Explosion.


Erfunden wurde die Kristallglasur in der Epoche des Jugendstils. In Fachkreisen empfand man die Entdeckung der Kristallglasur als Sensation. Auf den internationalen Weltausstellungen wetteiferte man um die besten Ergebnisse. Mit der Pariser Weltausstellung 1889 kann man von dem ersten öffentlichen Aha-Effekt sprechen. Es folgten Weltausstellungen 1893 in Chicago, 1900 in Paris und 1904 in St. Louis. Die Faszination von der Kristallglasur erreichte auch den amerikanischen Kontinent. Die ersten Kristallprodukte der Rockwood-Pottery waren so wertvoll, dass sie laut Berichten von Zeitgenossen sogar mit Goldmünzen aufgewogen wurden. Indirekt zeugen diese Preise davon, in welchem Maße der Ausschuss mitgebrannt wurde, bis einige wenige gelungene Stücke in den Verkauf kamen.



Flyer zur Ausstellung als Pdf Download





hellblaue tropfenförmige Enghalsvase
Foto: BLM

Öffnungszeiten

2. Februar - 30. November 2018

Mittwoch bis Samstag 14 - 17 Uhr
Sonntag 12 - 17 Uhr


Bild
Foto: BLM