Keramikmuseum Staufen

Art déco – Aufbruch in die Moderne

Der Art déco bildet sich nach dem Ersten Weltkrieg heraus und dauert bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges an. Im Jahr 1925 findet die legendäre Kunstgewerbeausstellung „Exposition internationale des Arts Décoratifs“ in Paris statt, während der die Art-déco-Bewegung seinen Höhepunkt feiert.

Die Bezeichnung „Art déco“ für eine stilistische Epoche taucht zum ersten Mal als Titel eines Artikels in der Zeitung „The Times“ im Jahr 1966 auf – also mehr als 50 Jahre nach dem Aufkommen des Stils. Kurz darauf entstehen mehrere Bücher und Überblicksausstellungen unter dem gleichen Titel, so dass sich dieser Begriff Ende der 1960er Jahre endgültig etabliert.


Tee-und Kaffeekanne
Entwurf: Hilda Jesser-Schmid,
Wiener Porzellanmanufaktur Augarten,
um 1928
Badisches Landesmuseum
©Foto: BLM


Typisch für den verspielten und raffinierten Art déco sind Muster, die aus Streifen, Punkten, Zick-Zack-Elementen, Schuppen, Stufen-Arrangements, Netzdekoren oder Gitterstrukturen bestehen. Bei floralen und figürlichen Motiven ist keine naturgetreue Wiedergabe angestrebt, sondern eine Reduktion auf schablonierte, abstrahierte oder geometrisierende Darstellungen. Der Spritzdekor ist dabei eine ideale Technik, um eine solche Ästhetik zu erreichen. So gut wie alle keramischen Betriebe installieren in dieser Zeit Spritzdekoranlagen, die so genannten Aerographen. Bei Formen der Keramiken werden gebogte, gerippte, gezackte oder getreppte Wandungen sowie der Hang zu kubistischer Durchformung vorgezogen. Man verzichtet auf die traditionellen Sehgewohnheiten und gibt den ungewöhnlich geformten Gefäßen den Vorrang.

Ein interessanter Aspekt der Art-déco-Produktion ist die Rolle der Frauen. Zuvor waren Entwerfer so gut wie immer Männer. In der Zwischenkriegszeit vertraut man den künstlerischen Fähigkeiten der Frauen so sehr, dass Entwerferinnen überall in Deutschland von den keramischen Betrieben angestellt werden.





Kaminuhr

Kaminuhr
Porzellan- und Steingutfabrik G. Bihl
Ladowitz in Böhmen, um 1935
Badisches Landesmuseum
 
© Badisches Landesmuseum,
Foto: Thomas Goldschmidt


Öffnungszeiten und Kontakt

1. Februar - 31. November 2019

Mittwoch bis Samstag 14 - 17 Uhr
Sonntag 12 - 17 Uhr 

Kontakt: 

Dr. Joanna Flawia Figiel
Referat Kunst-und Kulturgeschichte
Kuratorin
T +49 (0)721 926-6479
flawia.figiel@landesmuseum.de
Badisches Landesmuseum
Schloss Karlsruhe
Schlossbezirk 10, 76131 Karlsruhe


Bild
Wächtersbacher Steingutfabrik, um 1931
Foto: BLM