Glasmalerei der Moderne

Diese Ausstellung macht die internationalen Entwicklungen der Glasmalerei im 20. und 21. Jahrhundert lebendig! Auf rund 800 Quadratmetern macht sie es ihren Besuchern möglich, Glasmalerei aus nächster Nähe zu sehen. Dabei werden sowohl chronologische als auch regionale und thematische Gesichtspunkte berücksichtigt. Die Ausstellung setzt mit den Anfängen der Moderne kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein und endet mit Werken junger Künstler der Gegenwart.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts emanzipierte sich die Glasmalerei vom Kunsthandwerk: Künstler der Avantgarde entdeckten die Leuchtkraft und Transparenz des farbigen Glases neu. Berlin wurde ein Zentrum der Erneuerung der Glasmalerei, im Rheinland schuf Johan Thorn Prikker Kirchenfenster, die ganz aus der Farbe heraus gedacht waren, und in Stuttgart entwickelte Adolf Hölzel die figürliche Abstraktion auf Glas. Auch in Frankreich und in der Schweiz wandten sich zahlreiche Künstler der Klassischen Moderne der Glasmalerei zu. Insbesondere die in den 1920er-Jahren entstandenen Glasgemälde des Schweizers Augusto Giacometti sind eindrucksvolle Werke aus Licht und Farbe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang der Glasmalerei ein Neuanfang. Die Ausstellung erläutert die Entwicklungen in Frankreich, wo die Art Sacré-Bewegung ins Leben gerufen wurde. Zu sehen sind Entwürfe von Fernand Léger für eine Kirche in Audincourt, Entwürfe von Le Corbusier für seine Wallfahrtskirche in Ronchamp sowie Glasfenster, die von Jean Cocteau für eine Kapelle bei Paris geschaffen wurden.

In Deutschland gehörte Georg Meistermann zu den wirkmächtigsten Glasmalern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von ihm werden unter anderem ein Entwurfskarton und das davon hergestellte Glasgemälde gezeigt. Hans Gottfried von Stockhausen, lange Jahre Professor für Glasmalerei an der Stuttgarter Kunstakademie, entwickelte seit den 1960er-Jahren das freie, in der Regel kleinformatige Glasbild. Seine Schüler, darunter auch Johannes Hewel, führten diese Auffassung der Glasmalerei fort. Zu den bedeutendsten lebenden deutschen Künstlern zählen Gerhard Richter, Markus Lüpertz und Neo Rauch. Sie entdeckten das Kirchenfenster als künstlerische Herausforderung neu. 

Auch die zeitgenössische Glasmalerei erweist sich als höchst lebendige Sparte der Bildenden Kunst, wie am Ende der Ausstellung deutlich wird: Neue Glasfenster und skulpturale Glasobjekte von Ludwig Schaffrath, von Johannes Schreiter, Jochem Poensgen, Bernhard Huber, Raphael Seitz, Thomas Kuzio, Günter Grohs und Thierry Boissel weisen unmittelbar den Weg zur Kunst der Gegenwart.

Die Namen der ausgestellten Künstler






Johan Thorn Prikker, Probescheibe für die Kirche St. Georg in Köln, 1928, BLM.

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