Jungsteinzeit im Umbruch

Rund ein Jahrtausend nach der Einführung von Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit kam es in Mitteleuropa zu tief greifenden kulturellen Veränderungen: Die jungsteinzeitliche Lebensweise drang in neue Regionen vor. Veränderungen in der Landwirtschaft, neue Werkstoffe und technologische Neuerungen beförderten Arbeitsteilung und Spezialistentum. Begleitet wurde dieser Wandel von Umstrukturierungen in der Gesellschaft wie auch Veränderungen in der geistigen Welt. Mit über 400 Exponaten veranschaulicht die Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe diesen folgenreichen Kulturwandel. Anhand der Themenbereiche Technologie, Handwerk, Ernährung, Handel, Wirtschaftsweise, Gesellschaft und Totenkult bietet sie verschiedene Blickwinkel auf die Lebenswirklichkeit der damaligen Menschen. Gezeigt werden Werkzeuge, Schmuck und Gefäße, aber auch die ältesten Kupfer und Edelmetallfunde Mitteleuropas. Inszenierungen und Modelle geben Einblicke in das Leben vor 6.000 Jahren.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist der Michaelsberg, ein jungsteinzeitlicher Fundplatz bei Bruchsal-Untergrombach im Landkreis Karlsruhe. Er ist Namensgeber für die „Michelsberger Kultur“, die zwischen 4.300 und 3.600 v. Chr. in weiten Teilen Mitteleuropas verbreitet war. Als typisch für diese Kultur gelten so genannte Erdwerke: Plätze, umgeben mit einem oder mehreren Gräben und Wall von zum Teil erheblichem Ausmaß. Die Ausstellung bildet die Eingangssituation eines solchen Erdwerks im naturgetreuen Maßstab nach.

In der Zeit der Michelsberger Kultur besiedelten Menschen erstmals die Seeuferbereiche und Moore des Voralpenlandes: die Zeit der „Pfahlbauten“ begann. Einzigartig sind diese Fundstellen nicht nur wegen ihrer Lage, sondern auch, weil sich hier organische Materialien erhalten haben, die in der prähistorischen Archäologie für gewöhnlich nicht überliefert sind. Textilien, Holzgefäße und -geräte zeigen ein erweitertes Bild der materiellen Kultur. Ein Blickfang in diesem Ausstellungsbereich ist der Teilnachbau eines steinzeitlichen Hauses vom Bodensee, dessen verzierte Innenwand ein Schlaglicht auf die Vorstellungswelt der Steinzeitbauern wirft.

Veränderungen zeigen sich auch beim Hausbau und im Siedlungswesen. Aus Häusern, die locker als Siedlung miteinander verbunden waren, entwickelten sich im Laufe der Zeit geordnete „Straßendörfer“. Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung hatten die intensivierten Handelskontakte: Sie beförderten eine Güterproduktion über den eigenen Bedarf hinaus. Revolutionär war die Erfindung von Rad, Wagen und Pflug am Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. Als neuer Werkstoff trat Kupfer in Erscheinung. Um Metall zu gewinnen und zu verarbeiten, waren Prozesse notwendig, die ein spezialisiertes Wissen voraussetzen. Die Ausstellung zeigt neben Kupfer auch die ältesten Edelmetallfunde aus Gold und Silber. Diese Gegenstände, wie auch Prunkbeile aus seltenem Jadeit, waren Ausdruck von Prestige einer neuen gesellschaftlichen Elite.

Im Foyer des Schlosses wird der Sammlungsgeschichte des Badischen Landesmuseums gedacht: Im 19. Jahrhundert angekaufte „Pfahlbausammlungen“ illustrieren zusammen mit dem in der Malerei entstandenen Genre der „Pfahlbauromantik“ den Zeitgeist in der Frühzeit archäologischer Forschung.

Eine Ausstellung des Badischen Landesmuseums in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg.
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Bildergalerie


Impressionen von der Eröffnung der Ausstellung "Jungsteinzeit im Umbruch"


Öffnungszeiten

20. November 2010 bis 15. Mai 2011
Schloss Karlsruhe

Di - Mi, Fr - So, Feiertage 10 - 18 Uhr
Do 10 - 21 Uhr