
Pralinendose, Carstens, Gräfenroda, um 1933

Eine regelrechte Revolution bedeutete Ende der 1920er Jahre der Einzug eines völlig neuartigen Designs in deutsche Haushalte: das so genannte Spritzdekor. Dessen geometrische Muster lösten Blümchen und Landschaftsdarstellungen auf Geschirr ab, bis einige davon als entartete Kunst in der NS-Zeit verpönt waren. Die Ausstellung bietet einen Überblick über die in ihrem unerreichten Reichtum so faszinierenden Dekore und Formen dieser Keramik. Sie war, mit mehr Exponaten, im Frühjahr 2006 bereits im Museum beim Markt in Karlsruhe zu sehen.
Wie kaum ein anderes Medium spiegeln Spritzdekore Zeiterscheinungen wider. So brachte die Aufbruchstimmung der Weimarer Zeit eine Fülle an künstlerischen Konzepten und stilistischen Entwicklungen mit sich. Vor allem dienten Werke von Künstlern wie Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger, Kasimir Malewitsch oder Robert Delaunay als wichtige Inspirationsquellen. Entsprechend wurden vorwiegend geometrische Darstellungen übernommen und auf die keramische Oberfläche übertragen.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein 250 Seiten starker Katalog. Er stellt einerseits in mehreren Aufsätzen zeitgeschichtliche Phänomene und einzelne Keramik-Firmen vor und ist andererseits ein durchgehend bebildertes Nachschlagewerk, in dem circa 50 Hersteller samt Firmenmarken und prägnantesten Dekorvarianten beschrieben sind.

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