Badisches Landesmuseum

Digitaler Museumskoffer Schlossgeschichten

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Leben und Herrschen am Karlsruher Fürstenhof

Das Karlsruher Schloss steht genau im Mittelpunkt der Stadt. Heute ist es das Zuhause des Badischen Landesmuseums. Das Museum passt auf viele Dinge aus der Vergangenheit auf, damit sie nicht kaputt oder verloren gehen, und zeigt sie in Ausstellungen. Einige dieser Gegenstände gehörten früher der badischen Fürstenfamilie. Sie lebte 200 Jahre lang in diesem Schloss und regierte von dort ihr Land. Lass uns mit dem Digitalen Museumskoffer einmal hinter die Schlossmauern blicken! Wir erforschen gemeinsam, wer hier damals gelebt hat und wie das Leben im Schloss ausgesehen hat. Viel Spaß!


„Hallo! Ich bin Expi. Komm mit mir auf Zeitreise ins Karlsruher Schloss! Was interessiert Dich?“


Ein vorbestimmtes Leben: Alltag und Aufgaben eines Herrschers

"Warum wurden gerade Sie Herrscher?"

"Ich, Karl Wilhelm von Baden-Durlach, war der älteste Sohn meiner Eltern und somit der „Erbprinz“. Mein Vater hat mir die Herrschaft vererbt, als er starb. Meine älteren Geschwister waren entweder schon als Kinder gestorben oder Mädchen, die damals keine Herrscherinnen werden durften. Auf diesem Bild habe mich als selbstbewussten Fürsten malen lassen: aufrecht und mit einer Hand auf die Hüfte gestützt. Es gibt noch mehr Hinweise darauf, dass ich ein Herrscher war…"

Klicke auf die Fragezeichen und finde heraus, welche Zeichen der Macht hier zu sehen sind!

In der Folge „Mein Mann, der Stadtgründer“ aus dem Podcast Is ja´n Ding erfährst Du, was seiner Ehefrau Magdalena Wilhelmina wohl so alles durch den Kopf ging, wenn sie das Bild ihres Mannes betrachtete.


"Was machte ein Herrscher eigentlich? Welche Aufgaben hatte er?"

"Der Fürst regierte über sein Land. Er musste dafür sorgen, dass seine Untertan*innen gut leben konnten und dass genug Geld da war. Er überwachte alles, was in seinem Land passierte, und traf die Entscheidungen in wichtigen Bereichen: für Schulen und Universitäten, Religion, Gesetze und Rechtsprechung, Straßen- und Städtebau, die Herstellung von Waren und den Handel im Land. Außerdem machte er Außenpolitik: Er sorgte für gute Verbindungen zu anderen Herrschern, damit sie sich gegenseitig unterstützten, und sorgte im besten Fall für Frieden."

Der Thron steht für eine wichtige Aufgabe des Herrschers: Bei sogenannten „Audienzen“ durften die Menschen zum Fürsten ins Schloss kommen. Er hat sich angehört, was sie ihm zu sagen hatten, und hat mit ihnen gesprochen. Durch diese Gespräche konnte er manches in seinem Land ändern und verbessern, wenn es ihm richtig erschien. Der Thronsessel stand erhöht auf einem Podest. Dies zeigte den Besucher*innen auf den ersten Blick die Wichtigkeit des Fürsten. Auf dem Thron durfte selbstverständlich nur der Herrscher Platz nehmen.

In der Folge „Der wichtigste Stuhl“ aus dem Podcast Is ja´n Ding erfährst Du mehr über den badischen Thron. Der hat nämlich einen sehnlichen Wunsch: Endlich soll mal wieder jemand auf ihm Platz nehmen. Ob ihm dieser Wunsch erfüllt wird?


"Wurde man als Herrscher geboren?"

"Wenn ein Sohn geboren wurde, waren alle sehr froh. Das bedeutete, dass es in der Familie einen nächsten Herrscher gab. Denn Mädchen durften damals hier keine Herrscherinnen sein."

Dieses toll verzierte Kinderbett wurde zur Geburt von Friedrich dem Zweiten im Jahr 1857 gebaut – er war der Thronfolger der Fürstenfamilie. Ein großer Engel aus Holz hält schützend seine Arme über die Stelle, wo der Kopf des Kindes liegen sollte. An den Seiten kannst Du noch weitere Schutzengel und gute Wünsche für das Kind entdecken. Außerdem ist das Wappen der Stadt Karlsruhe zu sehen: ein gelbes Oval mit einem roten Streifen und einer Krone darauf. Getragen wird das Bett von kleinen Schildkröten aus Holz.

Friedrich war ein Ur-Ur-Urenkel von Karl Wilhelm und lebte 200 Jahre nach ihm im Karlsruher Schloss. Er hat aber nie als Baby in diesem Bett geschlafen. Es war ein Geschenk der Stadt Karlsruhe an Friedrichs Eltern. Es wurde nur zum Anschauen ausgestellt und zeigte, wie sehr man sich über den neuen Thronfolger freute. Auf Friedrich sollte gut aufgepasst werden.

Warum hat man sich im badischen Herrscherhaus so über die Geburt eines Sohnes gefreut?


"Was hat ein Herrscher als Kind gelernt?"

"Nur der älteste Sohn konnte später einmal Herrscher werden. Er erhielt eine besonders strenge Erziehung und Unterricht in ganz vielen Fächern. Denn es kamen wichtige Aufgaben und viel Verantwortung auf ihn zu! Aber auch seine Geschwister wurden gründlich erzogen. Sie sollten sehr viel wissen und können, um sich bei Hof gut auszukennen und sich nicht daneben zu benehmen.
Fragen wir dazu doch mal Karl, den Urenkel von Karl Wilhelm!
Wie wurden Sie erzogen?"

"Ich musste sehr viel lernen, z.B. wie man über ein Land herrscht, aber auch wie man jagt. Aber ich hatte einfach keine Lust, immer das zu machen, was andere von mir wollten. Ich hatte von morgens bis abends Unterricht – nicht in einer Schule, sondern allein mit Lehrern hier im Schloss. Selbst in den Pausen war ich nicht allein und sollten nützliche Dinge tun. Mein Vater nahm mich mit auf Ausflüge und Reisen in andere Länder. Ich sollte mein Land gut kennen und an anderen Fürstenhöfen schon als Kind beweisen, was ich alles wusste und konnte. Meine Erzieher und Lehrer hatten es nicht leicht mit mir. Manchmal bin ich so wütend geworden, dass ich sie geschlagen und gekratzt habe. Dann gab es als Strafe Stubenarrest für mich."

Auf dem Gemälde sehen wir Erbprinz Karl, als er etwa 12 Jahre alt war. Karl war der einzige Sohn seiner Eltern. Er hatte noch sechs Schwestern, von denen die meisten mit bedeutenden Herrschern aus anderen Ländern verheiratet wurden. Er hat lange Haare und trägt über einem weißen Hemd eine hellblaue Weste und eine dunkelblaue Jacke. Unter dem Kragen ist der Teil eines besonderen Abzeichens zu sehen, es ist der „Orden der Treue“. Diesen Orden trugen alle Männer der badischen Fürstenfamilie bei besonderen Feierlichkeiten.

Was haben Prinzess*innen alles gelernt?

Außerdem hatten Prinzess*innen auch Unterricht in Fächern, die uns heute nicht mehr so bekannt sind. In „Wappenkunde“ lernten sie die Erkennungszeichen von bedeutenden Familien, Städten oder Ländern kennen. Im Fach „Epistolographie“ beschäftigten sie sich damit, wie man gute Briefe schreibt. Für Angehörige von Fürstenfamilien waren das damals wichtige Fähigkeiten, als es noch kein Internet oder Handys gab.


Vater, Mutter, viele Kinder: Der Alltag der fürstlichen Familie


"Welche Rollen gab es in der Herrscherfamilie?"

"Die Fürstenkinder wurden schon möglichst jung verheiratet. Wer wen heiratete, bestimmten allein die Eltern und nur sehr selten war dabei Liebe wichtig. Die Ehefrauen der Fürsten lebten meist mit ihnen und den Kindern zusammen im Schloss. Eine besondere Bedeutung hatte der erstgeborene Sohn, der später einmal die Herrschaft von seinem Vater übernahm. Jüngere Söhne wurden darauf vorbereitet, wichtige Aufgaben im Militär zu bekommen. Auch die Töchter erhielten eine gute Erziehung und bekamen Unterricht in vielen Fächern wie Sprachen und Geschichte. Sie wurden mit anderen Herrschern verheiratet. Dann mussten sie ihre Familie und ihr Zuhause verlassen und dort leben, wo ihr Ehemann wohnte. Das konnte manchmal sehr weit weg sein."

Caroline Luise und ihre Söhne: Was gibt es auf dem Gemälde alles zu entdecken?

Auf diesem Gemälde sehen wir die Markgräfin Caroline Luise mit ihren zwei ältesten Söhnen, Karl Ludwig und Friedrich. Sie tragen wie alle Fürstenkinder damals Kleidchen – natürlich aus besonders feinen und teuren Stoffen. Das war praktisch, denn so konnten sie schnell aufs Töpfchen gehen. Auch der Vater Karl Friedrich ist mit auf dem Bild dargestellt. Entdeckst Du ihn? Dafür musst Du ganz genau hinschauen.

In der Folge „Fürstliche Familie“ aus dem Podcast Is ja ´n Ding kannst Du Dir alles rund um das Bild von Caroline Luise und ihre Söhne erzählen lassen.


"Welche Aufgaben hatten die Ehefrauen der Herrscher? Womit verbrachten sie ihre Zeit?"

"Die Ehefrauen der Herrscher überwachten, was im Schloss passierte. Dazu gehörte auch die Erziehung der Kinder, um die sich angestellte Erzieher*innen und Lehrer kümmerten. Oft unterstützten sie ihre Ehemänner mit Ratschlägen oder gingen wohltätigen Aufgaben nach. Damit wollten sie erreichen, dass arme Menschen mehr Hilfe bekamen oder Frauen und Mädchen eine bessere Ausbildung erhielten. Manche hatten aber auch ganz besondere Interessen – wir würden heute Hobbies sagen."

Dieses Sonnenmikroskop gehörte der Markgräfin Caroline Luise. Sie beschäftigte sich liebend gerne mit den Naturwissenschaften. Sie richtete sich in ihren Räumen eine eigene Sammlung mit besonderen Stücken aus der Natur ein: ein sogenanntes „Naturalienkabinett“. Es bestand aus Gesteinen, Teilen von Pflanzen und Tieren, die sie untersuchte und an denen sie Experimente durchführte. Dieses Mikroskop war etwas Besonderes: Damit konnte Caroline Luise nicht nur Dinge vergrößert untersuchen, sondern sie konnte es auch wie einen heutigen Beamer verwenden! Und das in einer Zeit, als es noch keinen Strom gab! Mithilfe von etwas Sonnenlicht und den Spiegeln im Gerät konnte sie die Vergrößerungen z.B. von Insektenflügeln oder Blütenstaub direkt auf eine Wand übertragen. Eine Sensation!

In der Folge „Der neueste Schrei“ aus dem Podcast Is ja ´n Ding kannst Du hören, wie Caroline Luise ihre Freundinnen mit ihren wissenschaftlichen Experimenten und dem Sonnenmikroskop beeindruckt.

Was sammelte Caroline Luise?


"Warum wollten die Herrscher ganz viele Kinder haben?"

"Die Ärzte hatten damals noch nicht so viele Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten wie heute. Außerdem lebten die Menschen ohne fließendes Wasser und Strom. Deshalb starben viele Kinder schon in jungem Alter. Je mehr Söhne ein Fürstenpaar hatte, desto größer war also die Chance, dass zumindest ein Junge überlebte und nach dem Tod des Vaters die Herrschaft übernehmen konnte. Für ihre Töchter wählten die Eltern passende Ehemänner aus – am liebsten natürlich einen anderen Herrscher oder einen Thronfolger. Denn solche Heiraten konnte die gute Zusammenarbeit zwischen den Fürsten und den Frieden für das Land sichern."

Großherzog Karl Friedrich ließ diese goldenen Gegenstände für die Ehefrau seines Enkels Karl anfertigen. Sie hieß Stephanie Beauharnais und war aus Frankreich nach Karlsruhe gekommen. Nach der Geburt ihres ersten Kindes erhielt sie diese kostbare Gabe. Das Geschenk zeigt, wie wichtig für die Herrscherfamilie männliche Nachkommen waren. Bei dem Geschirr handelt sich um ein sogenanntes „Toiletten-Service“. Als „Toilette“ bezeichnete man damals das Zurechtmachen nach dem Aufstehen oder vor dem Zubettgehen. Das Set enthält Gegenstände zur Körperpflege wie einen Spiegel, eine Wasserkanne mit Becken, verschließbare Dosen, Bürsten und vieles mehr. Sie wurden allerdings nie benutzt, sondern sollten Besucher*innen zeigen, wie reich und mächtig die Fürstenfamilie war.


"Womit spielten Fürstenkinder?"

"Die kleinen Fürstenkinder sollten schon früh auf ihre spätere Rolle in der Familie vorbereitet werden. Ihre Spielsachen zeigen deshalb die Welt der Erwachsenen: Die Jungen hatten z.B. Holzpferde, Gewehre und Soldatenuniform, aber auch Schlitten, Kegelspiele und Musikinstrumente. Mädchen sollten auf ihre Rolle als Mutter und wichtigste Frau im Schloss vorbereitet werden. Daher spielten sie z.B. mit Puppen und beschäftigten sich mit Handarbeiten. Es ist aber auch überliefert, dass sich die badischen Prinzessinnen Theaterstücke ausdachten und Feste nachspielten."

Auf diesem Gemälde aus dem Jahr 1781 sind drei kleine Prinzessinnen im Karlsruher Schloss zu sehen: die Zwillinge Amalie und Karoline im Alter von fünf Jahren sowie ihre jüngere Schwester Luise im Alter von zwei Jahren. Schau mal genau hin, womit sich die Mädchen beschäftigten und spielten: Kleine Vögel fliegen frei durch den Raum, und Luise füttert gerade einen Kakadu mit Kirschen. Auf dem Boden liegen Teller und die Kanne eines Spielgeschirrs. Die beiden großen Mädchen, Amalie und Karoline, halten Blätter in den Händen, auf denen ihre Großeltern Karl Friedrich und Caroline Luise zu sehen sind. Und ganz oben an der Wand hängen Bilder ihrer Eltern Karl Ludwig und Amalie. Wer sich damals das Gemälde angesehen hat, konnte gleich erkennen, dass die Mädchen aus einer bedeutenden Familie stammten und später einmal eine gute Ehefrau für einen Herrscher sein würden. Ihr kleiner Bruder Karl, der später geboren wurde, wurde der nächste Herrscher in ihrer Familie.

Auch heute noch gibt es in Baden Prinzen und Prinzessinnen. Sie sind die Nachkommen der damaligen Herrscher. Was bedeutet es für Prinz Bernhard von Baden, heute ein Prinz zu sein? Überlege, ob die Aussagen richtig oder falsch sind!


Blick durchs Schlüsselloch: Das Leben im Schloss

"Welche Regeln waren auch für die Kinder besonders wichtig?"

"Alle Regeln standen in der „Hofordnung“. Wer sich nicht an die Regeln hielt, wurde bestraft. Und auch meine Familie hatte sich angemessen zu verhalten. Sie sollten für die anderen Vorbilder sein! Vorgeschrieben war z.B., welche Kleidung wann getragen werden sollte, wie man sich bei Tisch zu benehmen hatte und wie miteinander gesprochen wurde. Auch die Kinder mussten das lernen. Dafür waren Erzieher*innen und Lehrer zuständig. Erst mit etwa 12 oder 14 Jahren durften die Jungen z.B. auch mit am Fürstentisch essen. Wir sprachen im Schloss Französisch und die Kinder mussten uns Eltern respektvoll mit „Sie“ ansprechen, keinesfalls mit „Du“! "

Auf diesem Herrscherporträt wird Karl Friedrich als junger Mann aufrecht und stolz gezeigt. Er hält einen Kommandostab in der Hand und trägt einen Brustpanzer aus Metall. Das soll uns zeigen, dass er als Fürst auch ein guter Feldherr im Krieg sein musste. Seine Kleidung ist kunstvoll mit feinen Mustern bestickt. Über den Schultern trägt er einen kostbaren Fürstenmantel aus rotem Samt und weißen Pelzen von Hermelinen (Wieseln). Dies alles zeigt seinen Reichtum und seine Macht. Karl Friedrich regierte 65 Jahre lang das Land Baden und brachte viele Verbesserungen für die Bevölkerung. Eine anspruchsvolle Aufgabe! Das hatte er schon von Kindheit an gelernt, und das verlangte er von seinen Nachfolgern.


"Was gab es im Karlsruher Schloss zu essen?"

"Bei besonderen Anlässen und Festen gab es bei den Fürsten aufwändige Menüs, die aus Vorspeisen, Hauptspeisen und Süßspeisen bestanden. Da gab es Suppen, Pasteten, Wild, Früchte … Nur ausgewählte Personen durften daran teilnehmen! Es gab eine Tischordnung, die die Sitzplätze festlegte, und eine feste Reihenfolge, in der die Speisen serviert wurden. !"

Bei großen Festen gab es richtige „Schauessen“. Mit großem Aufwand wollte man den Gästen den eigenen Reichtum beweisen. Diese Essen waren auch für die Augen ein Genuss, denn die feinen Speisen wurden wie Kunstwerke auf den Tischen aufgebaut und serviert. Was sich wohl in diesen beiden Gefäßen befunden hat? Ob es vielleicht Schildkrötensuppe war?  Schau mal genau hin: Die Griffe am Deckel haben die Form von Weinbergschnecken! Solche Gefäße gab es auch in Form von Obst und Gemüse, wie z.B. einem Salat, oder anderen Tieren wie z.B. einem Wildschweinkopf.

Täuschend echt! Ungewöhnliche Gefäße

In der Folge „Das Gedächtnis der Schildkröten“ aus dem Podcast Is ja´n Ding kannst Du den Erinnerungen der beiden Schildkröten an vergangene Feste und ihre Aufgaben lauschen.


"Wer kümmerte sich um all die Arbeit am Hof?"

"Es gab viele Bedienstete im Schloss, die alle bestimmte Aufgaben hatten. Im Jahr 1841 arbeiteten 600 Personen für den Herrscher in Karlsruhe! Kammerherren waren die engsten Bediensteten des Fürsten und Hofdamen die der Fürstin. Das durften nur adelige Menschen machen, weil sie den Fürst*innen ganz nahe kamen. Außerdem waren Diener und Mägde, Köche, Pferdeknechte und Hofgärtner für die gröberen Arbeiten angestellt. Die meisten von ihnen wohnten auch im Schloss. Manche hatten eigene Zimmer, manche schliefen direkt an ihrem Arbeitsplatz z.B. in sogenannten „Deckeltruhen“, also großen Kisten zum Aufklappen. In der „Hofordnung“ war der genaue Tagesablauf für alle festgeschrieben, damit es bei so vielen Menschen kein Chaos gab."

Die Kleidung der fürstlichen Herrschaften war kostbar und bestand aus vielen Teilen. Hier sehen wir die sogenannte „Hofrobe“ der Großherzogin Luise von Baden aus dem Jahr 1856. Es gab Garderobenmädchen, die sich nur um die unzähligen Kleidungsstücke der Fürstin kümmerten. Beim Ankleiden halfen dann die Kammerzofen. Dieses Kleid hatte ein enganliegendes Oberteil, das den Oberkörper eng schnürte, und unten einen Rock mit einer langen Schleppe aus schwerem Stoff. Außerdem mussten die Haare der Fürstin kunstvoll frisiert und ihr Schmuck angelegt werden.

Wer arbeitet wo?


Salon des Großherzogs Leopold

Zum Vergleich: Der prachtvolle Marmorsaal, der für Feste genutzt wurde

"Wie sahen die Wohnräume des Fürsten aus?"

"Es gab im Schloss die sogenannten „repräsentativen Räume“. Das waren sehr prächtig eingerichtete Räume, die für Feste oder besondere Ereignisse gedacht waren. Auf dem alten Foto sehen wir zum Beispiel eine Wand des prachtvollen Marmorsaals. Die Besucher*innen sollten damals staunen und bewundern, wie kostbar das Schloss mit all dem Schmuck, den Spiegeln und großen Gemälden sowie den kostbaren Gegenständen eingerichtet war. Außerdem gab es noch die persönlichen Zimmer der Fürstenfamilie. Sie waren mehr nach dem eigenen Geschmack eingerichtet. Nur wenige Menschen durften dort hinein – streng privat!"

Auf diesem Bild ist der Salon von Großherzog Leopold im Jahr 1850 zu sehen. Das Bild wurde gedruckt und danach von Hand farbig ausgemalt. Darauf sehen wir viele Gemälde an der Wand und kostbare Möbelstücke. Der Boden ist mit einem Teppich ausgelegt. Trotz der hohen Decke, die im Schloss üblich war, wirkt dieser Raum gemütlich. Großherzog Leopold bewohnte damals Räume im Erdgeschoss des Schlosses. Seine Ehefrau Großherzogin Sophie hatte ihre Räume eine Etage über denen ihres Mannes. Es war damals normal, dass die Eheleute getrennte Räume im Schloss bewohnten. 

Noch heute im Museum! Einige der Gegenstände, die auf dem Bild von früher zu sehen sind, haben sich bis heute im Museum erhalten. Schau genau, sie sind vom Künstler etwas anders gemalt worden.


Schaut nur her! Wie ein Herrscher seine Macht zeigt

"Woran kann man einen Herrscher erkennen?"

"Herrscher waren die wichtigsten Personen in ihrem Land. Sie waren dafür verantwortlich, dass alles seine Ordnung hatte und die Herstellung von Waren und der Handel gut liefen. Außerdem mussten sie ihr Land manchmal auch gegen Feinde verteidigen. Auf Gemälden mit Herrschern gibt es daher eindeutige Hinweise, an denen wir ihre große Bedeutung erkennen können. Schließlich sollten alle Menschen sofort erkennen, mit wem sie es zu tun hatten!"

Auf diesem Gemälde sehen wir Karl Friedrich als jungen Mann. Er steht ganz aufrecht und blickt die Betrachter*innen direkt und selbstbewusst an. Er war der Enkelsohn von Karl Wilhelm, der die Stadt Karlsruhe gegründet hatte. Da der Vater von Karl Friedrich früh gestorben war, übernahm er die Herrschaft direkt von seinem Großvater.

Der Kommandostab in seiner Hand und der Brustpanzer aus Metall zeigen, dass Karl Friedrich auch als Feldherr für den Krieg ausgebildet wurde. Außerdem trägt er kostbare Kleidung, die sich nur wenige Menschen damals leisten konnten. Sie ist prachtvoll mit Goldfäden bestickt und hat z.B. feine, weiße Spitze an den Ärmeln. Über den Schultern trägt er einen kostbaren Mantel aus rotem Samt und weißen Pelzen von Hermelinen (Raubtiere mit prachtvollem Winterfell). Links am Rand ist noch ein Stück von seinem Fürstenhut zu erkennen.

Herrscher in Position! Wahr oder falsch?


"Wofür brauchte ein Herrscher einen Thron?"

"Der Thron war ein eindeutiges Zeichen für die fürstliche Macht. Nur der Herrscher durfte darauf bei besonderen Anlässen Platz nehmen. Und nur der Thronsessel hatte eine Rückenlehne und Armlehnen. So sah man sofort, wer das Sagen hatte."

Was für ein Glück, dass sich diese alte Postkarte erhalten hat! So wissen wir, wie der Raum, in dem der Thron stand, ab dem Jahr 1855 ausgesehen hat. Klicke auf die Fragezeichen, um herauszufinden, was zu sehen ist.

Der Thronsessel stand damals etwas erhöht auf einem Podest. Darüber war ein prächtiger Baldachin mit rotem Samtvorhang befestigt. Dies zeigte die hohe und wichtige Stellung des Herrschers. Unter den Armlehnen sind zwei Greife zu sehen. Greife sind Fabelwesen, die es nicht wirklich gibt. Sie sind halb Adler und halb Löwe und vereinen damit zwei mächtige Wesen aus dem Tierreich. Der Löwe gilt als König der Erde und der Adler als König der Lüfte. Der Greif wurde deshalb zum Wappentier für Baden und taucht mit seiner stolzen Körperhaltung auf vielen Gegenständen und im Wappen der badischen Fürsten auf.

In der Folge „Der wichtigste Stuhl“ aus dem Podcast Is ja ´n Ding erfährst Du mehr über den badischen Thron. Der hat nämlich einen sehnlichen Wunsch: Endlich soll mal wieder jemand auf ihm Platz nehmen. Ob ihm dieser Wunsch erfüllt wird?


"Wie zeigt ein Herrscher eigentlich seine Macht?"

"Wie ihr schon gemerkt habt, hatte ein Herrscher viele Möglichkeiten, die eigene Macht zu zeigen, z.B. mit Zeichen oder Gegenständen. Außerdem gab es bestimmte „Privilegien“, das sind z.B. Tätigkeiten oder die Anrede „Königliche Hoheit“, die nur für den Herrscher bestimmt waren. Das bis heute vielleicht bekannteste Herrschaftszeichen ist die Krone."

Als Großherzog Karl Friedrich am 10. Juni 1811 starb, brauchte der Hof für die Trauerfeier schnell passende Herrschaftszeichen. Die gab es aber noch gar nicht, denn Karl Friedrich war noch nicht lange ein Großherzog. Und so musste innerhalb weniger Tagen eine badische Krone entstehen. Obwohl das Gerüst nur aus Draht und Pappe besteht, ist sie sehr kostbar! Der untere Reif ist aus vergoldetem Silberblech gefertigt und die acht Bügel oben sind mit gelber Seide und Goldstreifen belegt. Innen ist die Krone mit rotem Samt ausgekleidet. Insgesamt sind 2451 Edelsteine angebracht! Sie kamen aus der fürstlichen Schatzkammer und stammten von älteren Gegenständen und Schmuckstücken. In der Mitte befindet sich eine blaue Kugel mit einem diamantbesetzten Kreuz – ein sogenannter Reichsapfel.

Aber Achtung: Die Krone zeigte zwar, dass der Großherzog von Baden eine wichtige Person war, sie war aber nicht zum Tragen auf dem Kopf gedacht, sondern wurde als Zeichen der Macht eingesetzt.

Was glänzt und funkelt denn da?


"Ok, die Krone ist ein Machtzeichen – aber wie ist es z.B. mit dem Schlossturm in Karlsruhe?"

"Auch das Schloss war ein deutliches Zeichen der Macht! Der Turm bildete den Mittelpunkt der Stadt und ragte damals über alle anderen Gebäude hinaus. Von ihm aus konnte der Herrscher seine ganze Stadt im Auge behalten und über sie wachen. Außerdem gingen alle Wege direkt vom Turm aus beziehungsweise auf ihn zu. Ein klares Zeichen für den alleinigen Herrscher!

Wie waren Schloss und Stadt angelegt?"

Alle Wege führen zum Herrscher! Du siehst hier die wohl älteste Darstellung von Karlsruhe. Sie stammt aus dem Jahr 1721. Klicke auf die Fragezeichen und erfahre mehr zu den besonderen Merkmalen.

Übrigens wurde bei dem Bild damals ein bisschen geschummelt. Manches, was gezeigt wird, war noch gar nicht gebaut, sondern nur geplant. Wir sehen also die Stadt, wie sie der Herrscher gerne gehabt hätte.


Wie alles begann: Karlsruhe zur Zeit der Gründung

"Warum brauchte ein Herrscher ein Schloss und eine Stadt?"

"Karl Wilhelm gründete die Stadt Karlsruhe im Jahr 1715. Zuvor hatte er in der Karlsburg im nahe gelegenen Durlach gewohnt. Diese war aber in einem Krieg stark zerstört worden, und Karl Wilhelm plante ein neues Schloss zum Wohnen und Regieren an anderer Stelle.
Fragen wir ihn doch mal selbst!

Warum musste es unbedingt ein Schloss sein?"

"Nun, jeder Herrscher brauchte in meiner Zeit ein passendes Schloss, um darin zu leben und zu regieren. Es gab genaue Vorgaben, wie ein Schloss aussehen sollte und wie man damit seine große Bedeutung als Herrscher zeigen konnte. Schließlich kamen wichtige Persönlichkeiten und andere Fürsten zu mir. Außerdem arbeiteten für mich eine Menge Hofbeamte, aber auch Stallburschen, Köche und viele, viele Menschen mehr. Und sie brauchten alle Arbeitsplätze, Wohnungen oder Schlafplätze – und die waren auch im Schloss oder den Nebengebäuden untergebracht. Viele meiner Angestellten lebten aber mit ihren Familien in der Stadt."

"Warum bauten Sie Ihr Schloss genau an diese Stelle?"

"Ich, Karl Wilhelm von Baden-Durlach, wollte nicht länger in der Durlacher Karlsburg wohnen und regieren. Wie es sich für einen adeligen Fürsten gehörte, ging ich gerne zur Jagd, besonders hier im Hardtwald. Aus dem Plan, hier ein kleines Jagdschloss zu errichten, wurde dann die Idee, ein großes Residenzschloss mit einer Stadt zu gründen."

Warum wollte Karl Wilhelm gerade an dieser Stelle seine neue Stadt bauen? Sieh Dir einmal die Inschrift an Schloss an...


"Warum wird Karlsruhe eigentlich Fächerstadt genannt?"

"Es gibt eine alte Legende, dass Karl Wilhelm bei einem Jagdausflug den verlorenen Fächer seiner Frau gesucht hat und dabei eingeschlafen ist. Es soll von einer neuen Stadt in Form eines Fächers geträumt und deshalb diese Form für Karlsruhe gewählt haben. Eine nette Geschichte, aber mehr auch nicht. Es gab andere Gründe. Schauen wir uns das mal genauer an!"

Auf diesem Bild ist der Grundrisse der Stadt Karlsruhe gut zu erkennen. Vom Schloss aus führen 32 Wege wie Strahlen in die Umgebung. So wurden Wege oft angelegt, um ein Waldgebiet für die Jagd zu nutzen. Die Jäger konnten wieder gut zurück zum Ausgangspunkt finden. Ein Weg führt als großer Kreis einmal rund um das Schloss und reicht dabei bis in die Stadt hinein. Den Mittelpunkt dieses so genannten „Zirkelschlags“ bildet der Turm. Einen Zirkel benutzen wir noch heute, um einen perfekten Kreis zu zeichnen. Außerdem erinnern die Wege an die Stricheinteilung auf einem Kompass. Durch die Stadt führt eine breite, gerade Straße – heute heißt sie Kaiserstraße. Zusammen mit den Wegen, die vom Schloss in die Stadt führen, bildet sie ein Dreieck mit zwei gleichlangen Seiten. Und so erklärt sich auch die Form eines Fächers, für die Karlsruhe bis heute berühmt ist.


"Gehörte der große Garten auch zum Schloss?"

"Der Stadtgründer Karl Wilhelm liebte Blumen über alles. Der Schlossgarten war ihm wichtiger als viele andere Dinge! Deshalb hatte er auch vor dem Schloss einen großen Garten und nicht dahinter, wie es eigentlich üblich war. Karl Wilhelm ließ damals sehr wertvolle Tulpenzwiebeln nach Karlsruhe bringen und war sogar selbst im Garten tätig. Es gab auch Tiergehege, große Käfige für Vögel und Gewächshäuser."

Auf diesem Frühstücksgeschirr der Markgräfin Caroline Luise kann man gut die Karlsruher Schlossanlage mit dem Schlossgarten um das Jahr 1765 erkennen. Besonders die große Platte zeigt, wie weitläufig und gut gepflegt der Blumengarten vor dem Schloss war, den ihr Schwiegervater Karl Wilhelm hatte bauen und bepflanzen lassen. Hinter dem Schloss war nur ein kleiner Garten und dahinter lag der große Waldpark mit Tiergehegen und Fasanengarten. Auf der Kanne und der Teedose ist das Schloss gezeigt. Und auf allen Gegenständen finden sich gemalte Insekten – ganz passend bei so viel Natur.

Pflanzen-Quiz: Welche Pflanzen gab es im Schlossgarten?


"Wie gelang es Karl Wilhelm, Bewohner*innen für seine neue Stadt zu finden?"

"Für den Fürsten war es wichtig, dass schnell viele Menschen in die neue Stadt kamen. Sie sollten ein Haus bauen, arbeiten und so Geld in die Stadt bringen. Denn bisher hatte es dort nur Wald, ein paar kleine Dörfer in der Nähe und eine viel befahrene Straße gegeben. Karl Wilhelm hatte eine schlaue Idee: Er verfasste einen sogenannten „Privilegienbrief“. Damit bot er Menschen verschiedene Vorteile an, die ein Haus in seiner neuen Stadt bauten. Er ließ diesen Brief auch über die Grenzen seines Landes hinaus verteilen, so dass viele Leute von weiter weg nach Karlsruhe kamen. Zugleich mussten sich die neuen Bewohner*innen aber auch an die Pflichten und Regeln halten. So hatte er z.B. klare Vorgaben, wer wieviel Vermögen mitbringen musste oder wie die Häuser gebaut werden sollten."

So perfekt wie in diesem Modell sollten Stadt und Schloss „Carols Ruhe“ nach ihrer Gründung 1715 aussehen. Der Turm steht im Mittelpunkt. Er ist das höchste Gebäude und sollte die Macht des Herrschers zeigen. Er ist mit dem Schloss verbunden, in dem früher die Wohn- und Schlafräume waren. Von dort aus hat der Herrscher auch regiert. Vor dem Schloss liegt der Garten mit Beeten. Und hinter dem Schloss befinden sich kleine Gebäude wie z.B. das Badehaus. Damit sich alles gut in diese Ordnung einfügte, bestimmte Karl Wilhelm genau, wer an welcher Stelle wohnen durfte: Die Menschen, die für ihn arbeiteten, wohnten direkt am Schlossgarten, dahinter dann erst die Bürger*innen wie z.B. Kaufleute. Das Modell zeigt aber nicht alles.

Kommt nach Karlsruhe!


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Idee: Dr. Sarah Hoke / Konzeption: Dr. Sarah Hoke, Denise Rothdiener / Beratung: Karin Stengel (Arbeitsfeldleitung Grundschule, Regionalstelle Karlsruhe), Ina Steveling und Jasmin Kaufmann (Fachleitung Sachunterricht am SAF Pforzheim), Danica Schlosser (Grafik) / Grafik "Expi": © eichfelder artworks, Anpassungen: Danica Schlosser / Illustration "Kinder": © Danica Schlosser / Intro-Video: Agentur Triebfeder / Objektfotos: CC0 aus dem Digitalen Katalog des Badischen Landesmuseums