Friedhof der Jungsteinzeit

Grabfunde
Mahlstein, Klinge, Rötel, Pfeilspitzen (Grab 106) und Kumpf (Grab 71)
Schwetzingen, Rhein-Neckar Kreis
Jungsteinzeit, Altneolithikum, jüngere Bandkeramische Kultur (5200-5000 v. Chr.)
Sandstein, Feuerstein, Hämatit, Knochen, Keramik
Inv.-Nr.: L 357; L 359; L 360; L 361; L 362

Rund 200 Gräber umfasste einer der größten Friedhöfe der Bandkeramik im heutigen Schwetzingen. Die Toten wurden meist in Hocklage bestattet, einige wenige wurden verbrannt. Etwa die Hälfte der Gräber war mit Beigaben und Trachtbestandteilen ausgestattet.

Die neolithische Revolution

Während der gesamten Alt- und Mittelsteinzeit hatten die Menschen als umherziehende Jäger und Sammler gelebt. In der Jungsteinzeit (Neolithikum) wurden sie sesshaft, betrieben Ackerbau und Viehzucht. Durch den Eingriff in Wachstum und Verbreitung von Pflanzen und Tieren, Rodungen und Ackerbau veränderte der Mensch seine Umwelt.

Der von dem australischen Prähistoriker V.G. Childe als „Neolithische Revolution“ bezeichnete epochale Wandel bildet die Basis für unsere heutige Lebensweise.

Ursprung und Ausbreitung der neuen Lebensweise

Das Ursprungsgebiet von Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit liegt in Vorderasien. In einer als „Fruchtbarer Halbmond“ bezeichneten Zone waren die Wildformen der ersten Kulturpflanzen und Nutztiere des Menschen vorhanden und Landwirtschaft war ohne künstliche Bewässerung möglich.

Ab 7500 v. Chr. verbreitete sich die neue Lebensweise auch in die Regionen außerhalb des Fruchtbaren Halbmondes: Rund 2000 Jahre später lassen sich erste Bauern in Mitteleuropa nachweisen.

Künder der neuen Zeit - Sesshaftigkeit, Ackerbau und Viehzucht

Um 5500 v. Chr. entstand im heutigen Westungarn die sog. Bandkeramische Kultur. Charakteristische, auf Keramikgefäßen eingeritzte, bandartig angeordnete Linien und Einstiche gaben der Kultur ihren Namen. Als Nutztiere wurden Rind, Schaf, Ziege und Schwein gehalten. Angepflanzt wurden Emmer, Einkorn, Gerste sowie Erbse, Linse, Lein/Flachs und Schlafmohn. Bis zu 40 m lange und 8 m breite, aus Holz und Lehm errichtete Langhäuser sind ein weiteres Markenzeichen der Bandkeramiker.

Um 5100 v. Chr. war die bandkeramische Kultur vom Pariser Becken bis in die Ukraine verbreitet.